Stemwede-Oppendorf. Ob er sich noch daran erinnern könnte, was er am 23. Mai 1949 gemacht hat, als die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland schlug? Das wollten wir von Erich Schumacher wissen, einer der bekanntesten Einwohner der heutigen Gemeinde Stemwede.

„Ich war da noch nicht mal 18 Jahre alt und lebte bei meinen Eltern auf dem Hof in Oppendorf. Mitbekommen haben wir von der neuen Politik allerdings hier auf dem Lande kaum etwas,“ sagt Schumacher. Dagegen erinnert er sich noch an ein seinerzeit sehr bekanntes Lied, das sich über die Aufteilung Westdeutschlands durch die Alliierten lustig machte: „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ und wurde von Karl Berbuer gesungen. Gemeint waren damit die drei Besatzungszonen der Amerikaner, der Briten und der Franzosen. Schumacher wandelte später den Song ein wenig um in „Bizonesien“, denn; „Wir haben schon mitbekommen, als sich die Engländer und Amerikaner zu einer ersten großen Zone zusammenschlossen.“ Zum ersten Mal waren seinerzeit die ersten möglichen Umrisse der Bundesrepublik Deutschland erkenn- und spürbar. Als junger Mann half Schumacher überall dort mit, wo etwas durch den Krieg zerstört war und wiederaufgebaut werden musste. Auch auf den Dörfern war schon mal eine Bombe heruntergekommen und hatte das ein oder andere Haus, Geschäft oder sogar Bauernhof zerstört. Der Oppendorfer ist noch heute froh drüber, dass er – im Gegensatz zu den meisten Menschen in den Großstädten und Ballungszentren – keinen Hunger leiden musste. Selbst im Hungerwinter 1948/49 gab es auf dem Lande immer noch einiges mehr zu essen als in den größeren Orten. „Wir mussten natürlich auch haushalten und es gab oft nur Kartoffeln oder Suppe, aber wir sind nicht aufgrund von Hunger und Entkräftung krank geworden“, erinnert er sich. Die ersten Wahlveranstaltungen der neu bzw. wieder gegründeten Parteien haben ihn jedoch von Anfang an fasziniert. „Das war für uns etwas gänzlich Neues“, sagt Schumacher im Gespräch mit der NW. Daran habe er bemerkt, wie sich die Zeiten doch geändert hatten. Nach seiner Lehre und dem Erlangen des Meistertitels machte es Erich Schumacher denn auch seinem Vater nach, der später Landrat wurde. Erich Schumacher war von 1969 bis zur Gebietsreform 1973 Bürgermeister von Oppendorf. Fast 30 Jahre lang gehörte er dem Kreistag an. Mit Herzblut engagierte er sich in der evangelischen Kirche. Viele Jahre lang war er sogar in der Landessynode aktiv.